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Keine Angst vor Feuer: Bei der Übung des Löschverbands Oberes Bühlertal wird für den Ernstfall geprobt

Im qualmenden Gebäude warten Menschen auf Rettung: Wenn 60 Feuerwehrleute üben, geht es zur Sache. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen.

Dicke, weiße Schwaden quellen aus dem Gebäude des Malereibetriebs in Geifertshofen. Rasch stellen die Feuerwehrmänner fest, dass sich die großen Rolltore nur von innen öffnen lassen. „Versucht es durch die Tür“, ruft Einsatzleiter Patrick Rechtenbacher. Löschfahrzeuge, Gerätewagen und Mannschaftswagen fahren mit Blaulicht und ohrenbetäubendem Tatütata vor, Schläuche werden ausgerollt und winden sich, während das Wasser hineinschießt.

 

In dem brennenden Haus befinden sich Menschen. Ihre Rettung steht im Vordergrund der Aktion, die eine gemeinsame Übung der Freiwilligen Feuerwehren Bühlerzell, Bühlertann und Obersontheim ist. Die „Opfer“ werden von Jugendlichen gemimt, die schon mal pflichtschuldig zusammenbrechen, wenn sich ihnen eine Tragbahre nähert.

Über dem Ort des Geschehens schwebt eine Kamera-Drohne, ein junger Feuerwehrmann filmt mit seiner Handkamera: Die drei Feuerwehren nutzen die Gelegenheit, um eine Dokumentation über ihren Löschverband zu drehen. Die Atmosphäre wirkt entspannt. „Bei einem echten Brand ist der Puls schon höher“, gesteht Patrick Rechtenbacher, Feuerwehrkommandant in Bühlerzell, „doch absolute Ruhe bewahren ist für uns gerade dann oberstes Gebot.“

Mehr als hundert Leute kann der Löschverband Oberes Bühlertal aufbringen, etwa 60 nehmen an der Übung teil. Sie sind streng durchorganisiert. Die Leitung hat der Kommandant, in dessen Bezirk der Brand ausgebrochen ist. Rechtenbacher instruiert darum heute die Kommandanten Jürgen Lerner aus Obersontheim und Markus Schirle aus Bühlertann. Die geben die Anweisungen an die Zugführer mit ihren je 22 Leuten weiter, die Truppführer mit jeweils acht Einsatzkräften sind die nächsten in der Informationskette und schließlich die Truppmänner, deren Trupp aus zwei Männern oder Frauen besteht. „Das Ganze ist wie eine Pyramide angeordnet“, macht Schirle das Konstrukt anschaulich.

Das Szenario der Übung: In der Lackierkabine des Malerbetriebs ist ein Feuer ausgebrochen, die dort gelagerten Chemikalien machen die Lage hoch brisant, fünf Menschen werden von den Flammen einge- schlossen. Der Qualm, der das Gebäude erfüllt, ist zwar nur Disconebel, aber schon direkt hinter der Tür sieht man die Hand vor Augen nicht. Die Männer tragen Atemgeräte und tasten sich auf dem Bauch kriechend ins Innere vor.

So finden sie leblose Personen im Gebäude am schnellsten. Eine immense Hilfe ist die moderne Wärmebildkamera, die ihre Bilder auf einen externen Monitor sendet. Darauf sind die Menschen im Gebäude deutlich zu erkennen. Die Ereignisse werden minutiös schriftlich dokumentiert. „Es ist sehr wichtig, den exakten Überblick zu behalten“, erklärt der Obersontheimer Feuerwehrmann Michael Zieffle, der heute als Schriftführer fungiert. Um 14 Uhr hat die Übung begonnen, um 15.02 Uhr heißt es: Feuer schwarz. Das bedeutet, dass es keine Glutnester mehr gibt. Alle fünf Personen sind „gerettet“, die Chemikalien-Kanister wurden rechtzeitig gesichert.

Nicht nur wenn die Flammen züngeln, werden die Feuerwehrleute zu Hilfe gerufen. Bei Verkehrsunfällen sind sie vor Ort, manchmal sind auch Tiere in Not: Einmal, so erzählt Markus Schirle schmunzelnd, habe er mit seinen Leuten einer Kuh wieder auf die Hufe geholfen, die in eine Güllegrube gefallen war.

„Der wichtigste Beweggrund für uns alle ist das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen und die Bevölkerung zu schützen“, stellen die drei Kommandanten klar. „Angst vor Feuer sollte man dabei natürlich nicht haben.“

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